Körperpsychotherapie?
Die Körperpsychotherapie ist ein fundiertes psychotherapeutisches Verfahren, das den Körper als zentralen Zugang zu unserer emotionalen Welt begreift. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass wir unsere Lebensgeschichte nicht nur in unseren Gedanken und Erinnerungen abspeichern, sondern vor allem in unserem Körper und unserem Nervensystem.
Warum reines Reden oft nicht reicht
Oft stoßen wir mit klassischen Gesprächstherapien an Grenzen. Wir verstehen dann zwar vom Verstand her, warum wir in bestimmten Situationen ängstlich, gestresst oder wütend reagieren, können unser eigentliches Empfinden aber trotzdem nicht verändern. Hier setzt die Körperpsychotherapie an. Sie geht davon aus, dass unverarbeitete Erlebnisse, alte Verletzungen oder Dauerstress als chronische Spannungen, unbewusste Schutzhaltungen oder flache Atemmuster im Körper festgehalten werden. Der Körper erinnert sich an das, was der Kopf vielleicht längst verdrängt hat.
Wie wir in der Körperpsychotherapie arbeiten
In meiner Arbeit verbinden wir das therapeutische Gespräch fließend mit einer feinen, bewussten Körperwahrnehmung. Statt nach vorgegebenen Übungsprogrammen vorzugehen, erforschen wir ganz offen im aktuellen Moment, wie sich Ihre Themen im Körper zeigen. Wir beobachten zum Beispiel, wie sich eine Grenze körperlich bemerkbar macht, wo die Muskulatur unbewusst festhält oder wie verändert sich die Atmung, wenn ein bestimmtes Thema Raum bekommt. Durch das achtsame Spüren dieser festgehaltenen Spannungen und unbewussten Schutzmuster geben wir dem Nervensystem die Möglichkeit, sich im Hier und Jetzt zu regulieren. Alte, eingefrorene Impulse oder unterdrückte Gefühle bekommen Raum und dürfen sich im eigenen Tempo lösen. Das Ziel dieser gemeinsamen, prozessoffenen Arbeit ist es nicht, den Körper zu optimieren oder Leistung zu erbringen. Es geht vielmehr darum, aus einer erstarrten Haltung herauszufinden, sich im eigenen Körper wieder sicher zu fühlen und ein authentisches, lebendiges Körpergefühl zurückzugewinnen.
»Die Haltung des Körpers und die Haltung der Seele sind identisch.«
Wilhelm Reich
Methoden der Körperpsychotherapie
Bioenergetik / Neurogenes Zittern
Die Bioenergetik beinhaltet Übungen, die das neurogene Zittern aktivieren. Dabei handelt es sich um eine kraftvolle Methode zur Lösung von Stress und Nervosität sowie zur Verbesserung der Körperwahrnehmung. Stress speichert sich im Körper, und ähnlich wie Tiere in der Natur, die durch Schütteln, Zittern und Vibrieren wieder in ihren natürlichen Zustand der Entspannung zurückkehren, kann auch der Mensch durch das Erlernen des neurogenen Zitterns tiefgreifende Entspannung erfahren.
Neurogenes Zittern ist eine sanfte, aber äußerst effektive Technik, die direkt mit dem Nervensystem arbeitet. Durch gezielte Bewegungen und das Zittern wird eine tiefgreifende Ruhe im Körper ausgelöst. Das Zittern hilft, Spannungen und blockierte Energien aufzulösen, was nicht nur die Nervosität lindert, sondern auch die Verbindung zum eigenen Körper stärkt und die Körperwahrnehmung erheblich verbessert.
Körper intuitiv Orientiertes Verfahren
Hierbei handelt es sich um ein Verfahren, das den Fokus ganz auf körperliche Impulse und emotionale Reaktionen legt. Es bedient sich ebenfalls Methoden wie der Aufstellungsarbeit. Es ist jedoch frei von streng methodischen Ansätzen und orientiert sich vielmehr am Ansatz, die unterste Ebene der menschlichen Gefühlswelt – das limbische System, das Unbewusste – für Klient:innen ins Bewusstsein zu rücken, um damit eine Möglichkeit der Veränderung bewirken zu können.
Tiefliegende Muster aus der Kindheit, die sich fest in unserem Körpergedächtnis eingespeichert haben, können auch nach den Neurowissenschaften nur emotional ergriffen und einer möglichen Veränderung zugeführt werden, wenn der Zugang zum Körpergedächtnis gewonnen wird. Hierfür ist eine aufgeschlossene Haltung und die Bereitschaft entscheidend, Mitgefühl für sich selbst und seine Umgebung zu integrieren.
»Das Ich ist zuerst und vor allem ein Körper-Ich«
Sigmund Freud

